Wie das Fegefeuer Mathias Honsak half

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Der Österreicher war der Matchwinner gegen Dresden

Pure Erleichterung sei das Tor gewesen, sagte Mathias Honsak freudestrahlend nach dem Abpfiff über seinen Last-Minute-Siegtreffer gegen Dynamo Dresden. Eigentlich habe er in der 93. Minute der Partie auf einen Doppelpass mit Luca Pfeiffer gehofft, als er in den Strafraum eindrang. Doch der Ball nahm den Umweg über rechts, von wo der starke Matthias Bader den Ball in die Mitte auf den durchgelaufenen Honsak legte, der den Ball ins Tor bugsierte.

„Ich habe nach meinem Tor die richtige Seite zum Jubeln erwischt und bin direkt zu unseren Fans gerannt“, berichtete Honsak. „Das waren pure Emotionen und die pure Freude, mit den Fans und der Mannschaft zu feiern.“ Eine Woche zuvor hatte sich gegen Honsak bei dessen unglücklichem Auftritt gegen Hansa Rostock noch bei einigen Lilien-Fans Unmut über den 25 Jahre alten Österreicher geregt. Zu oft rannte sich der schnelle, technisch hoch veranlagte Flügelspieler fest, zu zaghaft agierte er vor dem Tor.

Was der Trainer Mathias Honsak auf den Weg gab

Der Unmut der Fans sei auch Honsak nicht verborgen geblieben, erklärte sein Coach Torsten Lieberknecht später. Gegen Rostock hatte Lieberknecht den Spieler über die komplette Spielzeit auf dem Feld gelassen. Ein junger Spieler müsse auch mal durch so eine Situation durch, ohne dass man ihn gleich auswechsele, um ihn zu schützen. Es mache einen Spieler stabiler, wenn er “durch das gefühlte Fegefeuer” gehe und lerne, damit umzugehen.

Gegen Dresden saß Honsak dann aber zunächst doch auf der Bank und Emir Karic versuchte sich auf der linken Außenbahn. Obwohl Karic keineswegs schlecht spielte, musste er zur Halbzeit für seinen Landsmann weichen. „Der Trainer hat vor meiner Einwechslung zu mir gesagt: ‚Honsi, heute ist es wieder so weit. Du machst dein Tor.'“ Lieberknecht behielt Recht und Honsak gelang sein zweites Saisontor, nachdem er bereits in der Hinrunde beim 4:2 auf Schalke getroffen hatte.

Überhaupt wurde Lieberknechts Mut zur Offensive belohnt. Zehn Minuten vor Schluss hatte er beim Stand von 0:0 seinen Defensivabräumer Klaus Gjasula geopfert und Angreifer Aaron Seydel gebracht. Das Ziel: Den gegnerischen Strafraum mit möglichst vielen Leuten besetzen. Der Schachzug wäre jedoch fast nach hinten losgegangen, denn eine Minute vor Ende der regulären Spielzeit schoss der Dresdner Julius Kade aus zwölf Metern knapp am Tor vorbei. „Wenn ein Spiel so endet, weiß man, dass wir der glückliche Sieger sind“, räumte Lieberknecht später ein.

Von Stephan Köhnlein

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