Die Wissenschaftsstadt Darmstadt wird noch im Februar mit den Vorbereitungen für den Bau des Informationszentrums am Osthang der Mathildenhöhe beginnen. Nach den mit breiten Mehrheiten der Stadtverordnetenversammlung gefassten Beschlüssen liegen die dafür nötigen Verfügungen und Genehmigungen vor. Damit wird der Weg frei für ein zentrales Bauvorhaben, das die Mathildenhöhe als architektonisch und historisch bedeutendes Ensemble komplettiert.
Das Haus bündelt künftig Service, Information und Vermittlung an einem Ort und ergänzt damit die historischen Gebäude. Durch die Lage am Osthang – in der Pufferzone des Welterbes – wird das Ensemble geschützt und zugleich besser erschlossen. Das Zentrum ist damit ein wichtiger Baustein, um die Qualität des Welterbes langfristig zu sichern.
Grundsätzliche Inhalte der Verfügungen
Die beiden Allgemeinverfügungen, die am Samstag (14.) öffentlich bekanntgemacht werden, liefern die Grundlage, um mit der Umsetzung des Baus zu beginnen. Die Allgemeinverfügungen beziehen sich auf die §§ 1,2, 6 und 11 des Hessischen Gesetzes über die öffentliche Sicherheit und Ordnung (HSOG). Demnach ist das Betreten, der Aufenthalt und jede Benutzung des Grundstücks (Olbrichweg; Osthang Mathildenhöhe) untersagt.
Die Verfügung tritt am 18. Februar 2026 um 6 Uhr in Kraft und tritt am 20. Februar 2026 außer Kraft. Ab 20. Februar ist die Fläche dann eine Baustelle, die auch weiterhin aus Gründen der Sicherheit der Öffentlichkeit nicht zugänglich sein wird. Zur Sicherung der notwendigen Arbeiten wird das Grundstück bereits ab dem 18. Februar 2026 ab 6 Uhr gesperrt. Es gilt, zunächst die Fäll- und Rodungsarbeiten vorzunehmen sowie den geplanten Umzug des temporären Festivalzentrums „Main Hall“ zu ermöglichen.
Schlüsselbaustein für die UNESCO-Welterbestätte Mathildenhöhe
„Die Welterbestätte braucht eine zentrale Drehscheibe zur Besucherlenkung, Information und Wissensvermittlung; bestehende Gebäude der Mathildenhöhe können diese Rolle räumlich und funktional – besonders mit Blick auf die notwendige Barrierefreiheit – nicht leisten“, erklären Oberbürgermeister und Kulturdezernent Hanno Benz, Stadtplanungsdezernent Michael Kolmer und Ordnungsdezernent Paul Georg Wandrey.
Der Bedarf eines Informationszentrums war seit längerem offensichtlich, wie es etwa bereits im Managementplan der Mathildenhöhe, in der Tourismusstudie von 2016 sowie in den Beratungen des Welterbebeirats und des ICOMOS (Internationaler Rat für Denkmalpflege) deutlich wurde. Der Bebauungsplan „Informationszentrum Mathildenhöhe“ wurde mit Öffentlichkeitsbeteiligungen 2018 und 2021 erarbeitet, mit ICOMOS, UNESCO-Fachdialog und Welterbebeirat abgestimmt und 2025 mit deutlicher Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung beschlossen.
„Die Mathildenhöhe ist ein Kulturschatz von internationalem Rang. Das Informationszentrum ist der Ort, an dem wir die Besucher abholen, Orientierung geben und die Geschichte dieses besonderen Ortes verständlich machen“, betont Oberbürgermeister und Kulturdezernent Hanno Benz.
„Der Baubeginn am Osthang erfolgt auf Grundlage eines rechtskräftigen Beschlusses und aller erforderlichen Genehmigungen. Als Ordnungsdezernent ist mir wichtig, dass geltendes Recht konsequent umgesetzt und die Sicherheit aller Beteiligten gewährleistet wird – sowohl der Beschäftigten auf der Baustelle als auch der Bürgerinnen und Bürger. Die Stadt wird das Projekt rechtssicher begleiten und für einen geordneten Ablauf sorgen“, so Ordnungsdezernent Paul Georg Wandrey.
Stärkung von Darmstadts Profil und wirtschaftlicher Impulse
Als Welterbestätte ist die Mathildenhöhe ein wichtiger Imagefaktor für Darmstadt. Das Informationszentrum stärkt diese Rolle, indem es das Angebot professionell strukturiert, den Aufenthalt für Gäste attraktiver macht und auch für Darmstädterinnen und Darmstädter einen Anziehungspunkt schafft. Davon profitieren langfristig Gastronomie, Handel und die weiteren Kulturinstitutionen Darmstadts.
Die Investition in das Informationszentrum ist damit nicht nur eine kulturpolitische Entscheidung, sondern auch ein Beitrag zur Stadtentwicklung. Ein moderner Willkommens- und Vermittlungsort am Eingang zur Mathildenhöhe trägt dazu bei, Darmstadt als Stadt des Jugendstils, der Wissenschaft und der Kultur weiter zu profilieren und die internationale Sichtbarkeit nachhaltig zu erhöhen.
Sensibler Umgang mit dem Osthang und Perspektiven für Kultur
Die geplanten Rodungsarbeiten sind zwingende Voraussetzung für die Realisierung des Projekts. Ziel ist es, nur in dem Umfang in die Fläche einzugreifen, wie es für den Bau des Informationszentrums und die dazugehörige Freiraumgestaltung notwendig ist.
Umweltdezernent Michael Kolmer macht deutlich „Unser Anspruch ist es, das Informationszentrum so zu realisieren, dass der Schutz von Natur, Klima und Welterbe verantwortungsvoll miteinander in Einklang gebracht wird. Der Baubeginn erfolgt unter klaren ökologischen Leitplanken. Eingriffe in Natur und Baumbestand wurden auf das notwendige Minimum reduziert, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sind verbindlich vorgesehen. Artenschutzrechtliche Vorgaben werden konsequent eingehalten und fachlich begleitet.“
Nur Teile des Osthangs werden für das geplante Gebäude genutzt. Die Planung ist so angelegt, dass die öffentlichen Grünflächen erhalten bleiben und weiterhin nutzbar sind. Zudem wird ein begleitender freiraumplanerischer Wettbewerb eine sensible Gestaltung von Gebäude und Umfeld sicherstellen und eine Weiternutzung der Freiflächen auf dem Osthang ermöglichen.
Die Stadt verbindet den Bau des Informationszentrums mit dem Anspruch, Kultur und zivilgesellschaftliches Engagement weiter zu fördern.
Mit dem Angebot des neuen, eigenständigen Standorts für den Osthang e.V. in der Weststadt zeigt die Stadt, dass ein Informationszentrum und freie Kultur nicht Gegensätze sein müssen, sondern sinnvoll nebeneinander Bestand haben können. Provisorische Bauten auf dem Osthang wie die „Main Hall“ können abgebaut und im Kontext der World Design Capital 2026 wieder aufgebaut werden, um Kontinuität zu schaffen.
Die wertvolle Arbeit des Osthang e.V. kann dann mit längerer Perspektive und an einem Ort mit mehr Möglichkeiten fortgesetzt werden. Hieraus haben sich auch bereits Kooperationen mit der Hochschule Darmstadt ergeben.
Klarere Besucherlenkung und Entlastung der historischen Gebäude
„Das Informationszentrum wird künftig die erste Anlaufstelle für Gäste aus Darmstadt, der Region und aus aller Welt sein. Hier bekommen sie eine verständliche Einführung in Geschichte und Bedeutung der Mathildenhöhe, klare Orientierung zu Wegen und Angeboten sowie Hinweise auf Führungen, Ausstellungen und Programme“, erläutert Dr. Philipp Gutbrod, Direktor des städtischen Kulturinstituts Mathildenhöhe und Kulturreferent der Wissenschaftsstadt „Das Informationszentrum ist damit weit mehr als nur ein Gebäude – es ist die Nahtstelle von Kultur und Kulturvermittlung.“
Gleichzeitig werden die denkmalgeschützten Gebäude auf der Mathildenhöhe selbst entlastet. Funktionen wie Ticketverkauf, allgemeine Information, Besuchergruppen-Sammelpunkte, Sanitäranlagen und ein kleiner Gastronomiebereich werden in das neue Haus verlagert. Die bestehenden Bauten können sich stärker auf ihre Kernaufgaben – Ausstellung, Denkmalpflege, Kunst und Kultur – konzentrieren, was langfristig zu einem schonenderen Umgang mit der historischen Substanz beiträgt.
Barrierefreiheit, Service und Bildungsangebote
Das Informationszentrum wird konsequent barrierefrei geplant. Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, Familien mit Kinderwagen, Seniorinnen und Senioren sowie Gäste mit besonderen Bedarfen finden hier einen niedrigschwelligen Zugang zum Welterbe. Ein Aufzug, stufenlose Erschließung, gut auffindbare Servicepunkte und verständliche Informationsangebote schaffen Voraussetzungen dafür, dass die Mathildenhöhe für alle besser nutzbar wird.
Neben einem offenen Informations- und Servicebereich im Erdgeschoss ist eine kompakte Ausstellung vorgesehen, die Hintergründe zur Geschichte, Architektur und Bedeutung der Mathildenhöhe vermittelt. Ein multifunktional nutzbarer Raum ermöglicht Vorträge, Workshops und Bildungsformate, insbesondere für Schulklassen und Gruppen.
Damit wird das Informationszentrum zu einem Lernort, an dem Stadtgeschichte, Jugendstil und Welterbegedanke anschaulich vermittelt werden können.
„Letzter Baustein“ der baulichen Komplettierung
Mit dem Informationszentrum wird die bauliche Entwicklung der Mathildenhöhe als Welterbestätte konsequent fortgeführt. Nach der Sanierung zentraler Gebäude und Anlagen bildet der Neubau den „letzten Baustein“, der die funktionale Erschließung komplettiert: als Eingangstor, Servicepunkt, Lernort und Scharnier zwischen Stadt und Welterbe.
„Unser Ziel ist es, Kultur, Transparenz und Verantwortung für kommende Generationen miteinander zu verbinden“, so Oberbürgermeister Hanno Benz. „Wir sind überzeugt, dass sich die nun beginnenden Bauvorbereitungen langfristig auszahlen werden: für den Schutz der Mathildenhöhe, für die Qualität des Besuchserlebnisses, für die Bildungsarbeit vor Ort, für die Darmstädter Bürgerschaft und für das Selbstverständnis Darmstadts als offene, kultur- und geschichtsbewusste Stadt“, so Oberbürgermeister Hanno Benz und die Dezernenten Michael Kolmer und Paul Georg Wandrey.

