Sandro Sirigu: Zurück bei seinem Herzensverein

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Sandro Sirigu genießt Kultstatus bei den Fans. Archivfoto: Arthur Schönbein

Ex-Lilien-Profi arbeitet auf Geschäftsstelle und als Jugendtrainer

Nach sechs erfolgreichen Jahren hatte Sandro Sirigu den SV Darmstadt 98 im Sommer 2019 verlassen. Diesen Sommer beendete er seine Karriere als Spieler und kehrte nach Darmstadt zurück. Im Interview des Online-Magazins Lilienblog, das wir hier in Auszügen abdrucken, spricht er über sein neues Leben.

Wie sieht eine typische Arbeitswoche von Sandro Sirgu im Moment aus?

Wenn ich nicht im Homeoffice bin, komme ich zwischen 8 Uhr und 8.30 Uhr auf die Geschäftsstelle. Gegen 17 Uhr trainiert dann die A-Jugend. Danach setzen sich die Trainer nochmals zusammen und besprechen die kommenden Tage. Da bin ich oft erst gegen 22 Uhr oder sogar noch später zu Hause. Und dann geht es am nächsten Tag wieder von vorne los. Das Schöne am Homeoffice ist, dass ich meinen elf Monate alten Sohn unter der Woche dann tagsüber auch mal wach sehe und nicht erst, wenn er schläft.

Wie kam es zu der Doppelfunktion Geschäftsstelle-Jugendtrainer?

Im Herzen bin ich natürlich immer noch ein Fußballer. Ganz ohne selbst auf dem Platz zu stehen, ging es dann eben doch nicht. Als sich die Möglichkeit ergab, dass ich Co-Trainer werden kann, hat das für mich perfekt gepasst. Mal gucken, in welche Richtung es jetzt weitergeht.

Erst vor einem halben Jahr haben Sie Ihre Karriere als Spieler beendet. Wie ist der Übergang gelungen?

Extrem gut. Ich hätte selbst nicht gedacht, dass ich von dieser Droge Fußball so schnell wegkomme (lacht). Natürlich fehlen die Gespräche mit den Mitspielern vor und nach dem Training ein bisschen. Aber der Druck und die Anspannung, die man auch hat, gerade wenn es mal nicht so gut läuft, fehlen mir nicht. Unter diesem Aspekt bin ich froh, kein aktiver Fußballer mehr zu sein.

Kribbelt es gar nicht in den Füßen?

Nein. Es macht mir genauso viel Spaß, als Fan vor dem Fernseher oder im Stadion mit Bratwurst und Bier das Spiel anzuschauen.

Mit 33 Jahren sind Sie noch gar nicht so alt. Was hat den Ausschlag gegeben, Ihre aktive Karriere in diesem Alter schon zu beenden?

Nachdem mein Vertrag 2019 bei den Lilien ausgelaufen war, war es extrem schwierig, zunächst ohne Verein dazustehen. Nicht zu wissen, wie es weitergeht, war für mich und vor allem für meine kleine Familie sehr schwer. In Chemnitz lief es sportlich nicht so gut, wir sind abgestiegen. In Großaspach gab es das Doppelmodul als Spieler und mit einer Beschäftigung im Verein, wo ich bereits in andere Bereiche reinschnuppern konnte. Als dann das Angebot aus Darmstadt  kam, war das für mich wie ein Sechser im Lotto. Meine Frau kommt von hier, ich bin bei meinem Herzensverein. Da gab es keine zwei Meinungen, ob wir das machen oder nicht.

Erinnern sich die Jugendspieler eigentlich an den Lilien-Spieler Sandro Sirigu?

Sie haben zumindest mitbekommen, dass ich Fußballer bei Darmstadt 98 war (lacht). Natürlich spiele ich manchmal auch noch ein bisschen mit. Da gibt es dann auch ein paar Neckereien. Es macht total viel Spaß, zu sehen, wie das die Jungs annehmen.

Was möchten Sie den jungen Spielern mitgeben?

Die Jungs sollen sehen, dass im Profifußball nichts von selbst kommt, sondern dass das extrem harte Arbeit ist. Um mal in die Position eines Tobi Kempe oder Fabi Holland zu kommen, wird Dir nichts geschenkt. Clemens Riedel ist ein extrem gutes Beispiel. Der hat ganz schnell verstanden, worum es geht und lebt seinen Mitspielern in der U19 eine extreme Professionalität vor. Die Fußball-Welt ist nicht immer nur eine heile Welt, das sollten die Jungs auch wissen. Oft kann man nicht sagen, woran es gelegen hat, wenn es einmal nicht läuft. Im Fußball kann man nie voraussehen, wohin die Reise geht. Es bringt nur etwas, wenn man Vollgas gibt.

Von Stephan Köhnlein

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