
Mit der Skulptur „Mann aus der Enge heraustretend II“ ist ein bedeutendes Werk des Bildhauers Waldemar Otto (1929-2020) in den öffentlichen Raum Darmstadts zurückgekehrt. Die rund drei Meter hohe Bronzeplastik wurde an der Erich-Ollenhauer-Promenade auf einer Grünfläche westlich der Pützerstraße aufgestellt und ergänzt dort das Ensemble figürlicher Plastiken im Stadtraum. Am Freitag, 6. Februar, wurde die Skulptur im Beisein von Oberbürgermeister und Kulturdezernent Hanno Benz sowie Angehörigen des Künstlers der Öffentlichkeit übergeben.
„Die Rückkehr dieser Skulptur in den öffentlichen Raum würdigt nicht nur einen bedeutenden Künstler, sondern auch seine enge Verbindung zur Stadt. Das Werk steht sinnbildlich für Aufbruch, menschliche Entwicklung und die Kraft der Kunst im urbanen Raum“, sagte Oberbürgermeister Benz. „Dabei wurde die Skulptur so positioniert, dass die Blickrichtung des Mannes den Weg zur UNESCO-Welterbestätte Mathildenhöhe Darmstadt weist.“
„Die Skulptur ist ein wichtiges Zeugnis der Darmstädter Kunstgeschichte. Mit ihrer Rückkehr in den öffentlichen Raum wird das Programm figürlicher Kunst von der Innenstadt über die Erich-Ollenhauer-Promenade und die Mathildenhöhe bis zur Rosenhöhe eindrucksvoll ergänzt“, sagte Dr. Philipp Gutbrod, Kulturreferent der Wissenschaftsstadt Darmstadt und Direktor des Institut Mathildenhöhe.
Die 1971 bis 1972 geschaffene Skulptur „Mann aus der Enge heraustretend II“ zählt zu den bedeutendsten Arbeiten Waldemar Ottos und misst 300 x 165 x 69 Zentimeter. Zwischen zwei schräg positionierten, drei Meter hohen Stahlwänden erscheint eine überlebensgroße menschliche Gestalt. Die Hände des Mannes ragen aus den Wandflächen hervor, als würde er sich vom begrenzenden Raum befreien wollen. Durch die schräge Stellung der eng beieinanderstehenden Wände entsteht eine Wirkung bedrängender räumlicher Tiefe.
Waldemar Otto, seit 1973 Mitglied der Darmstädter Sezession, schuf das Werk in vier Exemplaren mit leichten Variationen. Die Skulptur ist Teil der Werkreihe „Figuren zwischen Wänden“, in der Otto immer wieder das konfliktreiche Verhältnis von Figur und Raum sowie von Einzelnem und gesellschaftlichem Gefüge untersucht.
Im Nachgang einer Ausstellung des Künstlers 1979 in der Kunsthalle Darmstadt wurde die Skulptur – als Geschenk des Künstlers – von der damaligen Direktorin Dorit Marhenke (1987-1999) auf dem Platz vor der Kunsthalle aufgestellt. Erst viele Jahre später wurde das Kunstwerk abgebaut und in Untergeschossräumen der Kunsthalle eingelagert. Durch das Engagement der langjährigen Kuratorin und Leiterin der Galerie “Altes Haus“/Kunstforum Seligenstadt e.V., Annemarie Pötzelberger, und Horst Dieter Bürkle, ehemaliger Vorstand der Darmstädter Sezession, wurde die erneute Aufstellung im öffentlichen Raum vorangetrieben.
Nachdem ein möglicher neuer Standort der Skulptur zusammen mit der städtischen Kunstkommission ausgewählt und abgestimmt wurde, übereignete die Kunsthalle Darmstadt bzw. ihr Träger, der Kunstverein Darmstadt e.V., das Werk an die Städtische Kunstsammlung. Im Vorfeld der Wiederaufstellung untersuchte das Institut Mathildenhöhe Darmstadt den Zustand des Werks. Die aufwendige Restaurierung, einschließlich die Ergänzung fehlender Teile, übernahm der Diplom-Restaurator Götz M. Bormuth in Abstimmung mit der Restauratorin Gitta Hamm vom Institut Mathildenhöhe.
Die Kosten für Restaurierung und Aufstellung belaufen sich auf rund 25.000 Euro, davon wurden 15.600 Euro von der Sparkasse Darmstadt übernommen.
