Kurze Wege, rasche Hilfe

Ein Notfalleinsatz in der Ginsheimer Sporthalle hat diese vier Menschen auf besondere Art miteinander verbunden: Mobile Retterin Mona-Laura Weber, Heinz Eider und seine Frau Christel sowie Mobiler Retter Till Koziol (von links). Foto: Kreisverwaltung

Mobile Retter seit 2019 im Kreis im Einsatz

KREIS GROSS-GERAU – Den 22. November 2021 kann Heinz Eider (67) aus Ginsheim als seinen zweiten Geburtstag feiern. An diesem Tag ging er abends wie üblich zu seiner Gymnastikstunde mit Volleyball in die neue Sporthalle in Ginsheim. Während einer der Übungen, das weiß er noch, wurde ihm plötzlich flau und er sackte in sich zusammen. Dann ist das nächste, an was er sich genau erinnert, dass er vor der Halle auf eine Trage lag, mehrere Menschen um sich herum.

Er hatte einen Herzstillstand erlitten und hat es vielen richtigen Reaktionen und Handlungen zu verdanken, dass er noch lebt. Seine Sportkameraden hatten sofort mit Erster Hilfe begonnen und den Notruf abgesetzt. Die Leitstelle im Groß-Gerauer Landratsamt wiederum alarmierte nicht nur Rettungswagen und Notarzt, sondern auch per App die Mobilen Retter. Diese sind seit 2019 im Kreisgebiet im Einsatz, um in Notfällen möglichst schnell Erste Hilfe zu leisten.

Zwei von ihnen sagten ihr Kommen direkt zu, als sie die Push-Nachricht auf ihrem Handy sahen. Sie wohnen nahe der Halle und machten sich sofort auf den Weg: Mona-Laura Weber, die gerade beim Wäscheaufhängen gewesen war, und Till Koziol, der zuhause Fernsehen geschaut hatte. In kürzester Zeit waren sie beim Patienten in der Sporthalle und unterstützten sich gegenseitig bei dessen Reanimation – bis auch das Team des Rettungswagens da war und bis Heinz Eider langsam wieder zu sich kam.

Herzdruckmassage war entscheidend

Mit der raschen Hilfe, der Herzdruckmassage, durch die Mobilen Retter konnte die Wartezeit bis zum Eintreffen des Rettungswagens entscheidend verkürzt werden. Dadurch blieben lebenswichtige Organe mit Sauerstoff versorgt. „Der Rettungswagen war acht Minuten nach Absetzen des Notrufs da. Das ist innerhalb der Hilfsfrist. Es wäre aber kritisch geworden, was die Sauerstoffversorgung des Gehirns betrifft“, sagt Marco Renth, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst bei der Gefahrenabwehr des Kreises Groß-Gerau. Sechs der acht Minuten haben Till Koziol und Mona-Laura Weber mit den lebensrettenden Maßnahmen überbrückt.

Genau das ist Sinn und Zweck der Mobilen Retter, die vor drei Jahren im Kreis Groß-Gerau an den Start gingen. Rund 400 dieser vorab geschulten Menschen aus dem „Blaulichtmilieu“, wie Marco Renth sagt, stehen mittlerweile über den Kreis verteilt bereit. Diese Ersthelfer, die über die App alarmiert werden, sind zum Beispiel Sanitäter, Rettungsdienstpersonal, Feuerwehrkräfte, Krankenschwestern, Pfleger, Rettungsschwimmer oder Ärztinnen und Ärzte.
Die beiden Ginsheimer kennen sich sogar: Sie arbeiten beide in der Notaufnahme des GPR Klinikums Rüsselsheim, sind beide bei der Freiwilligen Feuerwehr; Mona Weber hilft zusätzlich noch beim DRK. Bei den Mobilen Rettern machen sie von Anfang an mit, hatten jeweils schon gut zehn Einsätze.

Grenzenlose Dankbarkeit

„Wir wollten unbedingt wissen, wer meinem Mann das Leben gerettet hat“, sagt Christel Eider, die Frau von Heinz Eider, unendlich dankbar. Darum forschten sie nach, wer an jenem Novembertag in der Sporthalle im Einsatz war. Dabei half ihr Schwiegersohn, der ebenfalls bei der Freiwilligen Feuerwehr ist. Denn im Nachhinein gibt es nicht zwangsläufig einen Kontakt mit den herbeigerufenen Erstrettern.

Auch Retter und Retterin freuen sich, dass sie mitbekommen haben, wie gut es Heinz Eider geht: Nach fünf Tagen im Krankenhaus, wo er Herzschrittmacher und Defibrillator eingesetzt bekam, und ein paar Wochen Ruhephase, kann er mittlerweile längst wieder in seine Sportstunden gehen, er wandert, fährt Rad, macht Urlaub wie immer.

„Aktuell haben wir eine Übernahmequote von knapp 70 Prozent“, sagt Marco Renth zu den Einsätzen der Mobilen Retter. Denn natürlich können die Helfer*innen per App Bescheid geben, dass sie gerade nicht abkömmlich sind. Je mehr Mobile Retter es gibt, die sich gerade in der Nähe eines möglichen Einsatzorts aufhalten, desto besser ist es also. Darum bietet der Kreis regelmäßig Schulungen für Interessierte an. Die nächste ist am 23. September 2022. Informationen kann man sich vorab bei der Gefahrenabwehr des Kreises unter Telefon 06152 989-910 holen oder auf der Internetseite des hinter dem Hilfesystems stehenden Kölner Vereins www.mobile-retter.org.

(PS)

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