István Sztáni: Der Mann mit dem Hut wird 85

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Der Mann mit dem Hut - István Sztáni. Foto: Jan Hüber

Der Ungar gehörte zur Meistermannschaft von 1959

Für das Gespräch mit dem vereinseigenen Sender hat sich István Sztáni im Eintracht Frankfurt Museum verabredet. Dort ist der Ungar unverändert ein gern gesehener Gast. Er zählte zu jener Mannschaft, die 1959 die bis heute einzige deutsche Meisterschaft für Frankfurt holte. Im Finale in Berlin gab es ein 5:3 über den Lokalrivalen Kickers Offenbach, wobei Sztáni damals doppelt traf. Am 19. März wurde er 85 Jahre alt.

„Wissen Sie, mein Leben ist unglaublich“, sagt er rückblickend auf sein Leben. Geboren wurde Sztáni am 19. März 1937 in Ozd in Ungarn. Als Jugendlicher spielte er ab 1955 für den Zweitligisten Vasas Ozd. Als im Oktober 1956 der Volksaufstand in Budapest ausbrach, weilte er gerade mit der ungarischen Juniorenauswahl in England. Er kehrte nicht in die Heimat zurück, sondern reiste über die Schweiz nach Deutschland. „Die Erlebnisse in der Welt haben mich gepackt. So habe ich gesagt: Dann gehe ich nach Frankfurt. So kam ich zur Eintracht…“ Und ist ihr bis heute treu geblieben. Der Hut war schon damals ein unverwechselbares Merkmal Sztánis – und ist es bis heute geblieben.

Vater, Frau und Meisterschaft

Nach einer einjährigen Sperre durch den Weltfußballverband Fifa durfte er ab 1957 wieder spielen. Keine zwei Jahre später folgte der besagte Titelgewinn. Ein unverhofftes Ereignis erfuhr der einstige Halbstürmer bereits einen Tag vor jenem 28. Juni am Endspielort in Berlin: Sein Vater, den er glaubte, wegen des Kalten Kriegs nie wieder zu sehen, stand am Trainingsplatz. „Ich gehe auf ihn zu, erkenne ihn wirklich als meinen Vater und habe ihn umarmt. Da kommen mir gleich die Tränen“, erinnert sich Sztáni, der daraufhin im Olympiastadion vor den Augen des Vaters zur Hochform aufläuft.

Genau wie übrigens die Fans. „Die Menschen sind ausgeflippt. Sie durften noch auf den Platz, anders als heute, und haben mich gepackt. Mein Bein war oben, meine Schulter unten, aber irgendwie haben sie mich dann doch auf ihre Schultern gedrückt. Das sind Dinge, die kann man sich heute nicht mehr vorstellen.“

„Es war Schicksal“

Am Meistertag hatte er zudem eine weitere bedeutungsvolle Begegnung. „Herr Sztáni, wollen Sie bitte kommen, da ist eine Dame“, gibt der 88-malige Adlerträger die lebensverändernde Szene wieder. „Ich stand auf, ging raus – da stand Brigitte.“ Die beiden hatten sich Monate zuvor in Berlin kennengelernt, hinterher aber aus den Augen verloren. „Danach sind wir aber in Kontakt geblieben, und ich habe sie geheiratet.“

Noch heute lebt Sztáni mit seiner Frau in Neu-Anspach. „Vater getroffen, Tor geschossen, Ehefrau gefunden – und die Deutsche Meisterschaft gewonnen“, fasst es der Jubilar so treffend zusammen, dass es fast zu unwahrscheinlich klingt, um real zu sein. Oder um es mit den Worten Sztánis zu erklären: „Es war Schicksal!“

Von Stephan Köhnlein

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