Ein Stimmungsbild des Weiterstädter Einzelhandels

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Gewerbetreibende trotz Pandemie und Krieg auch optimistisch

Weiterstadt – Hätte jemand vor vier Wochen gesagt, es gäbe Krieg in Europa, niemand hätte das geglaubt oder für möglich gehalten. Doch über Nacht hat tatsächlich ein Krieg die Nachrichten zur Pandemie verdrängt. Trotzdem, ist auch Pandemie noch nicht überstanden. Die Coronazahlen sind so hoch wie nie zuvor. Trotzdem beherrschen Schreckensmeldungen aus einer Gegend, die gerade mal zwei Flugstunden von Berlin entfernt ist die Nachrichten.

Die Ukraine liegt praktisch vor unserer Haustür, denn nicht nur in Hessen leben viele Ukrainer und Russen friedlich miteinander. Auch in Weiterstadt sind die Auswirkungen bereits zu spüren.

Der Weiterstädter Einzelhandel geht in diesen Tagen umsichtig ans Werk. Für den Weiterstädter Lokalanzeiger hat sich Corinna Jedamzik bei einigen Gewerbetreibenden umgehört. „Uns geht es gut“, sagt Frau Müller von Jelinek Computer. Computertechnik ist eine Branche, die in Zeiten von Corona sogar richtig boomt. Home-Office und Home-Schooling haben einen Mehrbedarf gefördert. Der Andrang habe zwar jetzt etwas nachgelassen, aber man sieht durchaus optimistisch in die Zukunft.

Schwieriger sieht das Keko Seyrek von „kekoberry Mobile & More“: „Die Menschen sind mit den Gedanken woanders.“ Die Kunden sind unsicher. Viele hätten auch Existenzängste und sind dadurch im Kaufverhalten gehemmt. Er sieht eine gewisse Ziellosigkeit im Kaufverhalten der Kunden.

„Man hat Höhen und Tiefen durchgemacht“, erklärt Jelena Bockard von „Optik 26“. Besonders zu Beginn der Pandemie hätte jeder Angst gehabt, weil niemand wusste, wie man damit umzugehen habe. Aber dann hätte man durchaus auch gute Geschäfte gemacht. Zwischendurch ist es immer mal etwas ruhiger. Gerade in den vergangenen Monaten, wo die Infektionszahlen stetig steigen, hätte man durchaus ruhigere Zeiten gehabt. „So langsam geht es aber wieder bergauf und es ist Normalzustand.“

Anfangs waren die Kunden schon reizbarer, vor allem wegen der Maskenpflicht. Doch jetzt habe man sich daran gewöhnt. Allerdings sieht sie angesichts der vielen Lockerungen der Corona-Maßnahmen doch besorgter in die Zukunft. „Wir sind doch oft enger in Kontakt mit den Kunden“, so Bockard. Das Masketragen würde sie daher begrüßen.

Die Reisebranche hat den größten Wandel durchlebt. Hier gab und gibt es noch die meisten Veränderungen. Vor allem auf die Preisgestaltung von Reisen haben die zurückligenden zwei Jahre enormen Einfluss genommen. „Wir haben aktuell eine ganz extreme Preisdynamik“, so Sascha Mechler vom „Weiterstädter Reisebüro Schilling GmbH“, „sie sind gestiegen und ändern sich mittlerweile fast minütlich.“ Dieser Umstand ist für die Touristikbranche schwer an die Kunden zu vermitteln. Die Informationsquelle für Reisen ist deutlich ins Internet abgewandert. Kataloge gäbe es zwar noch, aber diese dienen nur noch für Hintergrundinformationen zu den Hotels. Preise für Reisen müssen tagesaktuell abgefragt werden. Das Buchungsverhalten der Menschen hat sich dahingehend gewandelt, dass mehr Kunden ins Reisebüro kommen, da der Service bei online-Buchungen allgemein schlechter sei. Es kämen jetzt sogar Kunden, die bisher nur online gebucht hätten, ließ Mechler verlauten.

„Die Leute wollen reisen. Nach zwei Jahren Corona wollen viele in die Ferne.“ Eingeschränkt wird die Reiselust einzig durch den Krieg in der Ukraine. Hier ist durchaus zu spüren, dass der Osten Europas als Reiseziel gemieden wird. Viele Reisen ins Baltikum, nach Russland sowie Kreuzfahrten in der Ostsee sind bereits abgesagt.

Fazit: Trotz der höheren Preise in verschiedenen Bereichen, der Umverteilung der Kunden sowie einer anderen Kaufmoral scheint die Stimmung beim Weiterstädter Einzelhandel gut zu sein. Die Pandemie hat man ohne größere Einschränkungen überstanden. Die Digitalisierung hat in den letzten beiden Jahren in allen Bereichen stark zugenommen. Das Kaufverhalten der Kunden hat sich leicht verändert. Es wird bewusster eingekauft. Diejenigen, die nicht direkt von den Einschränkungen betroffen waren, hätten auch weiterhin hochwertig gekauft. Andere hätten durchaus auch auf günstigere Produkte zurückgegriffen. Viele sind zögerlich in der Kaufentscheidung und überlegen länger als früher. Allerdings ist die Situation anlässlich des Krieges in der Ukraine nicht gut abbildbar. Viele sehen der Zukunft mit gemischten Gefühlen entgegen. Sicher ist, dass viele Produkte in der nächsten Zeit teurer werden. Inwieweit der Krieg dann das Kaufverhalten der Kunden beeinträchtigen wird ist noch nicht abzusehen. Hamsterkäufe, wie im Supermarkt bei Öl und Mehl, sind aber im Einzelhandel nicht zu erwarten. Generell scheint es so, dass die Ungewissheit, wie sich die Lage in nächsten Wochen entwickelt, nicht positiv auf das Kaufverhalten der Kunden auswirkt.

Von Corinna Jedamzik

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