„Die Zitrone war leer“

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Foto: Jan Huebner

Eintracht zwischen Höhenflug und Mittelmaß

Mit dem 3:2 beim europäischen Spitzenklub FC Barcelona hat die Eintracht eine Sensation geschafft und sich eindrucksvoll ins Halbfinale der Europa League gespielt. In der Liga versinkt der Verein dagegen im Mittelmaß. Das ist auch eine Folge der hohen Belastung für das Team.

Trainer Oliver Glasner veranschaulichte den Auftritt seines Teams nach dem 0:2 bei Union Berlin treffend mit einem Bild: „Die Spieler haben alles rausgepresst, was noch drin war. Aber die Zitrone war leer.“ Nicht nur nach der emotionalen wie körperlichen Extremerfahrung aus Barcelona keine drei Tage zuvor, sondern grundsätzlich, „nach fünf Spielen in 14 Tagen, in denen die Jungs 120 Kilometer abgespult haben“, wie der Österreicher vorrechnete.

Ganz so viele waren es an der Alten Försterei zwar nicht, 117,68 Kilometer bedeuteten aber dennoch den sechsthöchsten Wert am 30. Spieltag. Überhaupt: „Es ist generell sehr viel passiert, viele Spieler hatten ihr erstes Spiel oder Tor für die Nationalmannschaft.“ All jene Eindrücke zu verarbeiten, benötige Zeit. „Aber davon blieb zuletzt wenig, weil ein Spiel das nächste gejagt hat. Was der eine oder andere bisher abgerissen hat, ist mega.“

Um seine Schützlinge in bestmöglicher Verfassung aufzustellen, griff der Coach so tief in die Rotationskiste wie nie zuvor, seit der 47-Jährige am Main angeheuert hat. Sechs Wechsel in der Startelf waren die meisten in der bald neunmonatigen Amtszeit. „Es ist schwierig, wenn die halbe Mannschaft neu ist, so noch nicht zusammengespielt hat, die eine Seite nicht im Rhythmus ist und der anderen die nötige Frische fehlt“, erläuterte Glasner den schwierigen Abwägungsprozess.

Zugleich betonte er: „Ich bin sehr zufrieden mit den Spielern und ihrem Engagement.“ Ein Beispiel Angreifer Goncalo Paciencia gewann in seiner ersten Begegnung von Beginn an seit dem 24. Oktober 28 Zweikämpfe, die mit Abstand meisten in der Hauptstadt. Doch Glasner räumte ein: „So überragend wir es als Mannschaft in Barcelona gemacht haben, war es diesmal als Mannschaft zu wenig.“

Beim FC Barcelona hatte die SGE dagegen lange kaum etwas zugelassen. Doppeltorschütze Filip Kostic war der überragende Mann auf dem Feld. „Ich habe immer gesagt, wir werden gewinnen“, sagte Vereinspräsident Peter Fischer nach der denkwürdigen Nacht von Camp Nou und befeuerte die Träume vom Finale.

Nach dem 1:1 im Hinspiel geht es im Halbfinale nun gegen den Premier-League-Klub West Ham United. „Ich denke, dass wir eine reelle Chance haben, dort auch hinzukommen. In England haben wir etwas gut zu machen“, sagte Fischer. Im Frühjahr 2019 war die Eintracht im Elfmeterschießen am FC Chelsea gescheitert. „Da waren wir im Halbfinale die bessere Mannschaft und sind seltsam ausgeschieden. Dieses Mal holen wir uns in England das Finale zurück.“

Von Stephan Köhnlein

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